Seit November sollte die Regenzeit in Sierra Leone eigentlich schon allmählich zu Ende sein. Aber dieses Jahr scheint alles anders: es regnet fast jede Nacht in Strömen und auch tagsüber oft noch ausgiebig. All das erschwert die Arbeit des Driving Doctor Teams erheblich. Trotzdem machen wir uns auf von Freetown nach Taiama, eine Fahrt von ca 3 Stunden, denn die Patientinnen und die Kinder in den Dörfern warten schon. Letztes Jahr noch brauchten wir für dieselbe Strecke über 6 Stunden. Aber diesmal ist die Hauptstraße durchgehend geteert und so ist die Fahrt längst nicht mehr so anstrengend.
Die Infrastruktur in Sierra Leone wird immer ein bisschen besser, sehr langsam, aber doch stetig. Allerdings sind die Dörfer davon ausgenommen. Auch werden Gesundheitsstationen gebaut, denen es aber entweder
an genügender Ausstattung, gutem Personal oder beidem fehlt. So warten die Frauen in den am Programm beteiligten Dörfer jedes Mal sehr auf das Team, das aus 2 Hebammen, einem Krankenpfleger, einem Fahrer, einem Übersetzer (in den Dörfern wird oft nur die lokale Sprache gesprochen) und einer freiwilligen Mitarbeiterin aus dem Partnerverein des CVJM Stift Quernheim, besteht.
Die häufigsten Krankheiten, an denen die die Kinder unter 5 Jahren in den Dörfern leiden, sind Malaria und Lungenentzündung, aber auch Hautkrankheiten und Augeninfektionen. In den letzten 6 Monaten sind über 2000
Kinder mit großem Erfolg behandelt worden. Es sind in diesem Zeitraum „nur“ noch 6 Kinder gestorben, wobei der Durchschnitt bei ca 2 Kindern pro Woche liegt. Auch die Müttersterblichkeit konnte in den besuchten Dörfern mit Hilfe unseres Teams gesenkt werden. Keine Frau hat mehr ihr Leben auf Grund einer Schwangerschaft oder Geburt verloren, wobei eine Frau in ein weiter entferntes Krankenhaus gebracht werden musste, aber auch diese Frau und ihr Kind haben überlebt.
So wird mit Hilfe des Driving Doctor Teams eines der UN- Milleniumsziele, die Kinder- und Müttersterblichkeitsrate zu senken, in Sierra Leone, jedenfalls in einem kleinen Teil des Landes, erreicht. Immer wieder werde ich gefragt und gebeten, ob es ist nicht möglich ist, dieses Projekt auszuweiten auf andere Dörfer. Leider stehen uns im Moment nicht die Mittel dafür zur Verfügung . Aber es wird versucht, in den teilnehmenden Dörfern, Frauen auszubilden, die dann als Multiplikatoren den Frauen in den umliegenden Dörfern weiterhelfen können.