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Ein Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008 von Susanne Schröder

Nach einem anstrengenden Flug und zwei Tagen Ausruhen in Freetown, sind meine Tochter  Hanna und ich mit unserem Team in 2 der 11 Dörfer gefahren, die von Joyce, Jeneba, Fatmata, Ansumana und Alieu versorgt werden.

Schon die Fahrt von Freetown nach Taiama (ca. 150 km) war eine echte Herausforderung. Die „Straßen“ sind jetzt während der Trockenzeit total staubig und die vielen Schlaglöcher trugen nicht gerade zu unserem Wohlbefinden bei. Wir waren froh, nach 3,5 Stunden Fahrt endlich in Njala, einer kleinen „Universitätsstadt“, angekommen zu sein. Dort gibt es schöne Gästehäuser, in den wir wohnten. Am nächsten Tag ging es zum Paramount Chief von Taiama, Antrittsbesuch und ein kleines Geschenk überreichen (eine Flasche Dry Gin) und natürlich Small Talk. Aber auch mehr, er hat uns wieder angeboten zu helfen, wo er kann und war sehr glücklich, dass den Menschen in seinem Chiefdom geholfen wird.

Anschließend ging es zur Arbeit in das Dorf Mongewor. Die Menschen warteten schon, die Mund-zu-Mund-Informationen machten schnell ihre Runde. In der Versammlungshütte wurden Bänke und Tische aufgebaut und die Mütter mit Ihren Kindern kamen auch aus den angrenzenden Dörfern, bis die Hütte voll war. Die Kinder hatten fast alle Schnupfen, viele Fieber und Mangelernährung. Für die Sierra Leonies ist der Januar die kälteste Jahreszeit, sodass sich viele erkälten (es war ca. 27 °C).

Die Kinder wurden untersucht und dann mit Penicillin behandelt. Bei jedem Kind wurde Fieber gemessen und alles wurde ganz genau dokumentiert. Viele Mütter hatten eine Art Untersuchungsheft für Kinder mit, in dem die einzelnen Ergebnisse noch einmal festgehalten wurden. Ähnlich wie unsere Vorsorgehefte. Wenn dann einmal ein Notfall eintritt, können die Mütter diese Hefte mit ins Krankenhaus nehmen und der Arzt hat schon mal einige wichtige Informationen.

Da so viele Mütter mit ihren Kindern zur Behandlung kamen, haben Hanna und ich uns mit dem Fahrer des Dorfes und dem Apotheker, der unser Team unterstützt, auf den Weg in ein zweites Dorf gemacht. Dafür mussten wir aber erst den Fluss Taia überqueren und das war schon ein Erlebnis für sich, gab es doch nur die Einbaumboote, die man aus den Filmen kennt. Aber da wir ja gute Schwimmer sind, haben wir es gewagt. Am anderen Ufer angekommen, mussten wir dann noch 20 Minuten auf einem schmalen Feldweg durch die Hitze gehen.  

Das war schon sehr anstrengend, aber wir hatten ja unsere Wasserflaschen mit. Die Menschen in den Dörfern rund um den Fluss, trinken das Flusswasser, ungefiltert und nicht abgekocht. Daher leiden natürlich auch viele Kinder unter Würmern und anderen Parasiten.

In dem Dorf Vaama angekommen sind wir herzlich aufgenommen worden, waren wir doch die ersten Weißen dort (ja, auch das gibt es heute noch!) und dann noch als deutsches  Mitglied des Driving Doctors.

Bevor wir den Rückweg angetreten haben, habe ich noch ein „kleines“ Abschiedsgeschenk bekommen: einen Hahn. Das ist eine ganz besondere Ehre. Hanna hat ihn gleich Ferdinand getauft und ich musste ihr versprechen, dass er auf keinen Fall im Kochtopf landet (zum Glück gibt es in Sierra Leone noch keine Vogelgrippe).

Am Ende eines langen Tages, es war mittlerweile 17:00 Uhr blieb noch eine Frau übrig, die starke Bauchschmerzen hatte. Sie war dem Team schon bekannt und beim letzten Mal wurde ihrem Ehemann gesagt, die Frau müsse unbedingt zur Untersuchung in ein Krankenhaus. Aber da ist sie nie gewesen, weil ihr Mann kein Geld hat und so wurde sie wieder von unserem Team untersucht, mit dem Ergebnis, dass sie ohne weitere Diagnosemöglichkeiten nicht behandelt werden konnte. Sie hat ein Schmerzmittel bekommen und dann wurde der Chief gerufen und in seiner Gegenwart haben wir dem Ehemann 20.000,- Leone (etwas 8,- EUR) gegeben mit der Auflage, die Frau ins nächste Krankenhaus zu bringen. Alle Dorfbewohner haben zugesagt, dafür zu sorgen.  

Die Arbeit des Teams hat mich sehr beeindruckt. Sie müssen oft mehr als 6 Meilen (Ca 9 Kilometer) auf kleinen Pfaden durch den Wald gehen, bis sie die Dörfer erreichen. Und das mit den Medikamenten auf dem Kopf und in der Regenzeit auch durch Flüsse. Sie arbeiten sehr konzentriert und ich bewundere ihren Einsatz und ihren Umgang mit den Patienten. Neben der eigentlichen Gesundheitsversorgung haben sie aber auch die ganze Situation im Blick. Es werden Gespräche mit den Chiefs geführt, dass er einen Lehrer besorgen muss, damit die Kinder wenigstens eine Basisausbildung bekommen, dass er die Eltern überzeugen soll, ihre Töchter nicht so früh zu verheiraten und dass er in der Regenzeit die Pfützen in seinem Dorf austrocknen soll, damit sich die Moskitos nicht vermehren können.

Auch untereinander versteht sich das Team sehr gut und hält fest zusammen. Jeneba aus Aberdeen, einige kenn sie ja vielleicht noch, sagte, die Arbeit sei zwar anstrengend, aber sie macht sie gerne. Es tue so gut, Menschenleben zu retten und dabei noch den CVJM im Land bekannt zu machen.  Ja, das ist sicher auch unser großer Vorteil, dass dieses Projekt ausschließlich von einheimischen  Mitarbeitern

Herausforderungen für die Zukunft:  

Die größte Herausforderung ist der erbärmliche Zustand der "Straßen", die zu den Dörfern führen. Um manche Dörfer zu erreichen, ist es notwendig, Flüsse mit kleinen einheimischen Einbäumen zu überqueren und viele Kilometer zu Fuß zurückzulegen, mit den Medikamenten auf dem Kopf.

Eine weitere Herausforderung besteht in der Organisation der Nachsorge. Manche Frauen müssen noch einmal untersucht werden, nachdem das Team schon in das nächste Dorf gefahren ist. Um die Nachsorge zu erleichtern, gibt es Ãœberlegungen, einen Raum in Taiama anzumieten, der für Nachsorgeuntersuchungen zur Verfügung stehen kann.

Zum Schluss noch drei Beispiele, wie das Projekt, die Behandlung durch unsere Mitarbeiter und deren Bemühungen das Leben der Menschen beeinflusst hat:

Mamie Koroma
Wir danken dem YMCA für dieses Projekt. Seitdem das Projekt gestartet ist, ist die Kindersterblichkeit in Jolorhun drastisch gesunken.

Kenie Kabeh
Ich habe zwei Frauen bei der Geburt unserer Kinder verloren. Seitdem der Driving Doctor in mein Dorf Mongewor kommt, haben alle Frauen eine sichere Geburt mit wenig Komplikationen.

Häuptling von Mongewor
Das YMCA Driving Doctor Project hat große Auswirkungen auf uns alle, besonders auf die Kinder und schwangeren Frauen, die kaum Zugang zu guter Gesundheitsversorgung haben. Das Projekt kam gerade zum richtigen Zeitpunkt in unser Kori Chiefdom, ist doch die Kinder- und Müttersterblichkeit in den letzten Jahren sehr angestiegen.

Wir freuen uns sehr und blicken dankbar auf das vergangene Jahr zurück. Dankbar, dass das Team sich so sehr einsetzt für ihre Landsleute in den abgelegenen Dörfern, dass sie selbst vor den gröten Anstrengungen nicht zurückschrecken und vor allen Dingen dankbar, dass wir diese Arbeit auf Grund der vielen großen und kleinen Beträge, die uns so vertrauensvoll übergeben worden sind, ermöglichen können und diese Arbeit auch im nächsten Jahr fortgeführt werden kann.

So möchten wir auch das kommende Jahr unter den Segen unseres Gottes stellen mit der Jahreslosung für 2009:

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich .
Lukas 18, 27

Ein Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne SchröderEin Bericht über eine Tour mit dem Driving Doctor im Februar 2008  von Susanne Schröder